TOURISMUS INSIGHTS

Fakten und Denkanstöße für die Tourismuswirtschaft in Deutschland.
Eine fein selektierte Auswahl an Themen aus der aktuellen Arbeit des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes. Weil es relevant ist.

Digitale Transformation im Tourismus nimmt Fahrt auf

Die digitale Transformation ganzer Branchenbereiche vollzieht sich bereits seit mehr als zwei Jahrzenten. Aktuell nimmt sie allerdings noch einmal deutlich an Fahrt auf, insbesondere in der Tourismusbranche. Dies zeigt die weltweite Studie „Digital Vortex“ des Global Center for Digital Business Transformation (DBT Center), bei der jährlich mehr als 1.200 Experten aus allen Wirtschaftsbereichen zum Thema befragt werden.

Mehr als zwei Drittel der unter den Top 10 platzierten Unternehmen aus allen Industriezweigen werden ihre dominante Marktstellung aufgrund der digitalen Disruption innerhalb der nächsten fünf Jahre einbüßen, lautet die unter den befragten Entscheidern vorherrschende Meinung. Fast 90% halten die Auswirkungen der Digitalisierung für groß bis transformierend für das eigene Geschäftsmodell. Im Jahr 2015 waren nur 27% dieser Meinung. Dem gegenüber stehen nur 22% der Unternehmen, die über eine konsistente und koordinierte Digitalisierungsstrategie verfügen.

Alle 14 betrachteten Industriezweige bewegten sich in den letzten Jahren näher zum Zentrum des „Strudels (Vortex)“, wo Geschwindigkeit und Ausmaß der digitalen Disruption am größten sind. Aufgrund dessen müssen in diesem Bereich die umfangreichsten Anpassungen in allen Unternehmensbereichen unternommen werden, um mit den Veränderungen Schritt zu halten. Die fünf für die digitale Transformation verwundbarsten Branchen sind seit 2015 Medien und Unterhaltung, Technologieprodukte und -dienstleistungen, Telekommunikation, Handel und Finanzdienstleistungen.

Doch auch die Tourismusbranche nähert sich mit zunehmender Geschwindigkeit dem Zentrum des „digital Vortex“. Im Jahr 2017 noch an neunter Stelle platziert, nähert sie sich aktuell den fünf gefährdetsten Branchen und belegt den sechsten Platz. Damit hat die Tourismusbranche, neben Transport und Logistik, den größten Sprung gemacht und wird sich dem Zentrum weiter annähern. Nach Ansicht der Experten sind offensive, digitale Strategien daher für die Tourismusbranche absolut erfolgskritisch. Besonders hervorzuheben sind dabei die intensivere Fokussierung auf den Kunden und die Flexibilisierung interner Arbeitsstrukturen, um Innovationsfähigkeit und -geschwindigkeit zu erhöhen.

Die vollständige Studie gibt es hier zum Download.

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Quelle: Global Center for Digital Business Transformation (DBT Center)

Deutschland hat eine starke Wettbewerbsposition im weltweiten Tourismusmarkt

Der Anteil der Tourismusbranche am weltweiten Wirtschaftswachstum ist enorm: 2018 übertraf das Wachstum des touristischen Exports (+4%) das siebte Jahr in Folge den des Warenexports (+3%). Vor allem in Schwellenländern hat der Tourismussektor einen zunehmenden Anteil an der Wirtschaftsleistung.

Der Travel & Tourism Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums (WEF) bewertet Länder alle zwei Jahre anhand der Indikatoren „förderliches Umfeld“, „Tourismuspolitik und fördernde Rahmenbedingungen“, „Infrastruktur“ sowie „kulturelle und natürliche Ressourcen“.

Platz 3 trotz mäßigem politischen Rückhalt

Mit einem Index von 5,4 landet Deutschland auf Platz 3 von 140 bewerteten Ländern. Während Spanien und Frankreich eine leicht höhere Wettbewerbsfähigkeit attestiert wird, lässt Deutschland Länder wie Japan und die USA hinter sich.

Bestnoten gab es in den Kategorien Gesundheit und Hygiene (Platz 2) sowie Personal und Arbeitsmarkt (Platz 3). Im Bereich der Sicherheit (Platz 41), des IKT-Reifegrads (Platz 19) und der internationalen Offenheit (Platz 18) gibt es noch Luft nach oben. Bei der Priorisierung des Tourismussektors (Platz 46) und der preislichen Wettbewerbsfähigkeit (Platz 124) werden die schlechtesten Noten erreicht. Durch die Gesamtbeurteilung des entsprechenden Indikators „Tourismuspolitik und fördernde Rahmenbedingungen“ landet Deutschland daher nur auf Platz 19 und damit hinter Ländern wie Panama, Malaysia, Honduras, Ungarn und Slowenien.

Der vollständige Bericht kann auf den Seiten des WEF heruntergeladen werden.

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Quelle: World Economic Forum

Nur begrenzte Spuren von "Flygskam"

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Bild: Pixabay / Gellinger

Verkehrsträger mit einem hohen CO2-Ausstoß stehen in diesem Jahr durch die öffentliche Diskussion über mehr Nachhaltigkeit unter einem besonderen Druck und können potentiell dazu beitragen, dass sich die Urlaubsströme signifikant ändern. Zumindest einige Indizien sprechen tatsächlich für ein sich bereits änderndes Reiseverhalten.

Zwei Beispiele:

1. Die Zahl der Übernachtungen in Deutschland steigen. Laut Statistischem Bundesamt liegen sie im 1. Halbjahr 2019 um 3,8 % über Vorjahreszeitraum. Vor allem inländische Gäste nutzten von Januar bis Juni 2019 die deutschen Beherbergungsbetriebe: insgesamt 182,6 Millionen mal, vier Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2018.

2. Auch der Campingmarkt wächst. Nach Angaben des Statischen Bundesamts stieg die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2018 um 11,3 % auf 24,6 Millionen.

Allerdings: Auch Flugreisen nehmen in Deutschland weiter zu

Noch ist unklar, ob sich das Reiseverhalten tatsächlich nachhaltig ändert. Die amtliche Statistik ist nicht umfassend und berücksichtigt nur Betriebe mit einer Größe von mindestens zehn Betten. Und das Wachstums im Übernachtungsmarkt liegt in der Summe eher im allgemeinen Branchentrend. Auch die Zahl der Flugreisen in Deutschland steigt weiter kontinuierlich an.

Nach aktuellen Berechnungen des statistischen Bundesamts stieg die Zahl der Fluggäste an den 24 deutschen Verkehrsflughäfen im 1. Halbjahr um 4,1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 58,9 Millionen. Dabei legte der innerdeutsche Flugverkehr nur moderat um 2,3 % zu. Innereuropäische Flüge hingegen stiegen um 4,8 %. Vor allem die beliebten Urlaubsregionen auf den Balearen (plus 8,5 %) und die türkische Urlaubshochburg Antalya (plus 17,3 %) legten deutlich zu.

Auch in der zuletzt medial viel gescholtenen Kreuzfahrtbranche scheint global betrachtet keinesfalls Rezessionsstimmung aufzukommen. Nach Berechnungen des Branchendienstes Cruise Industry News hat im August 2019 der Auftragsbestand für neue Kreuzfahrtschiffe einen Rekordwert erreicht. Bis zum Jahr 2027 werden weltweit 123 neue Kreuzfahrtschiffe mit einem Ordervolumen von 70 Mrd. US-Dollar erwartet. 

 

China und USA investieren am stärksten in Travel-Innovationen

Bei  Investitionen in touristische Start-Ups ist Deutschland in keiner starken Position. In der Langzeitbetrachtung von Phocuswright entfielen seit 2005 nur vier Prozent der weltweiten Investionen in junge touristische Unternehmen in Deutschland. Das geht aus der Studie "Tourism in Germany 2030" hervor, die Phocuswright im Auftrag des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes erstellt hat.

Im Gesamtjahr 2017 sah die Lage noch dramatischer aus: Nur 0,7 Prozent des Investitionsvolumens entfiel im Jahr 2017 auf deutsche Start-Ups. So besagt es die Studie "State of Travel Startups 2018" von Phocuswright. Dieses Bild verzerrt sich jedoch durch im Vorjahr getätigte Mega-Fundings von mehr als 100 Mill. USD. Rechnet man die Investitionen in Ausreisser wie Uber, Airbnb und den chinesischen Mobilitätsanbieter Dixi Chuxing heraus, beträgt der Anteil der Investitionen in deutsche Start-Ups immerhin sechs Prozent. 

Quellenangabe:  Phocuswright Inc. 2018 In: Rogl, Dirk:  Vortrag zu Ergebnissen der Studie
Quelle: Phocuswright Inc. 2018 In: Rogl, Dirk: Vortrag zu Ergebnissen der Studie "Tourism in Germany" 2030 des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes im Workshop Innovationsförderung am 28. 6. 2018

 

 

 

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