28.01.2021
European Travel Commission (ETC)

European Tourism - Trends & Prospects (Q2/2020, Q3/2020)

Internationalisierung | Corona

Veröffentlichung: Q2/2020: Juli 2020; Q3/2020: November 2020
Seitenzahl: 55

Die Covid-19 Pandemie hat die weltweite Tourismuswirtschaft in bisher unbekanntem Ausmaß erschüttert. Auch die Folgen für den europäischen Tourismus sind drastisch und zeichnen sich deutlich in den aktuellen Zahlen ab. Trotz des leichten Aufwärtstrends in den Sommermonaten werden für das Jahr 2020 fast eine Milliarde weniger internationale Ankünfte zu verzeichnen sein als im Jahr 2019. Innerhalb der europäischen Destinationen wird der Erholungsprozess mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verlaufen. Eine vollständige Erholung des Tourismus in Europa ist auf Basis aktueller Prognosen erst 2024 zu erwarten.

Ziel der Studie

Die Berichte beleuchten die weitreichenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den europäischen Tourismus und zeigen mögliche Zukunftsperspektiven auf.

Für wen ist es relevant?

Die Quartalsberichte richten sich in erster Linie an die Mitglieder der ETC, die nationalen Tourismusorganisationen in Europa. Die Ergebnisse sind darüber hinaus für alle Akteure im Deutschlandtourismus relevant.

Wie wurde vorgegangen?

Die Studienergebnisse beruhen auf der Auswertung und Analyse aktueller touristischer Daten der TourMIS-Datenbank, Prognosen von Tourism Economics sowie Statistiken der IATA, STR und UNWTO. Der Bericht zum zweiten Quartal 2020 bezieht sich hierbei auf den Zeitraum Januar bis Mai, während der Bericht zum dritten Quartal 2020 den Zeitraum Januar bis September betrachtet.

Im Rahmen einer Sonderauswertung wurde im Bericht Q2/2020 anhand des Travel Resilience Indexes und des Travel Potential Indexes die Resilienz einzelner europäischer Destinationen auf Basis der binnentouristischen und inneuropäischen Reiseaktivitäten der Hauptquellmärkte untersucht.

Was sind die zentralen Ergebnisse?

Die starken Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Tourismuswirtschaft sind europaweit deutlich spürbar. Der Stillstand der Reiseaktivitäten führt zu hohen Stornierungsraten, einem Rückgang der Buchungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Die einzelnen europäischen Destinationen verzeichnen einen Rückgang der internationalen Ankunftszahlen von bis zu -86 %. Die geschlossenen Grenzen und Reiseverbote im zweiten Quartal 2020 führten insbesondere im Flugverkehr zu Einbrüchen. Wie bereits im Quartalsbericht Q1/2020 angekündigt, erreicht die Nachfrage im April 2020 ihren Tiefpunkt mit einem Rückgang von -95% im Vergleich zu 2019. Die Hotelauslastung in Europa ist im Vergleich zu anderen Kontinenten am stärksten eingebrochen.

Durch die mit der Sommersaison einhergehenden Lockerungen, wie der Aufhebung von Reiseverboten und der Einrichtung von Reisekorridoren, konnte ein erster Schritt in Richtung Erholung erzielt werden. Ferienwohnungen und -häuser konnten ihre Buchungseinbrüche von -90 % im April auf -16 % im August verringern. Dennoch blieben einzelne Branchensegmente, wie der Flugverkehr, weiterhin stark unter den Kennzahlen von 2019. (siehe Bericht Q3/2020).  

Während im zweiten Quartalsbericht eine Erholung des internationalen Tourismus nicht vor 2023 erwartet wird, werden die Prognosen im dritten Quartalsbericht leicht korrigiert. Demnach wird sich der innereuropäische Tourismus erst 2024 erholen. Im Binnentourismus ist eine Erholung bis 2022 möglich.

Die ETC prognostiziert, dass sich die Erholung einzelner Tourismusmärkte unterschiedlich schnell abspielen wird. Destinationen mit ausgeprägtem Binnentourismus und geografisch nah gelegenen Quellmärkten werden sich schneller erholen und zeigen somit eine höhere Resilienz. Basierend auf dem Travel Resilience Index, welcher die Resilienz des Binnentourismus (Domestic Resilience Index) und den Anteil internationaler Reiseankünfte aus geografisch nahe gelegenen Quellmärkten (Short-haul Resilience) gleichermaßen berücksichtig, sind Deutschland, Norwegen und Rumänien die resilientesten Destinationen Europas.

Die zu erwartenden Veränderungen innerhalb der Reisebedürfnisse potenzieller Gäste bringen die Möglichkeit mit, sich als Destination neu zu orientieren und so die Resilienz der eigenen Destination zu erhöhen. Besonderes Potential haben laut Travel Potential Index Deutschland, Serbien und Rumänien.


Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?

Die kurzfristige Zukunft der Tourismuswirtschaft bleibt ungewiss. Die Entwicklungen sind stark von den vorhandenen Lockerungen und dem Infektionsgeschehen in den einzelnen Ländern abhängig. Aufgrund des zuletzt verzeichneten Anstiegs der Corona-Fallzahlen in einem Großteil der Destinationen sind erneute Reiserestriktionen in Kraft getreten. Entsprechend sind für das letzte Quartal erneut höhere finanzielle Einbußen in der Tourismuswirtschaft zu erwarten.

Der Binnentourismus wird sich am schnellsten erholen, gefolgt von dem innereuropäischen Tourismus. Das Schlusslicht bildet der transkontinentale Tourismus. Endscheidend sind dabei neben dem Infektionsgeschehen auch die Quellmärkte der Destinationen und ihre Anpassung an die neuen Bedürfnisse der Reisenden. Der Stillstand der Reisebranche und die veränderten Kundenbedürfnisse bergen somit ebenfalls Chancen zur Neuorientierung der Branche in den Bereichen Zielmärkte, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Destinationsmanagement.

Kritische Würdigung

In ihren Quartalsberichten Q2/2020 und Q3/2020 analysiert die ETC die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf die europäische Tourismuswirtschaft auf Basis aktueller Erfolgskennzahlen. Der im ersten Quartal bereits erkennbare Abwärtstrend für die folgenden Monate wird im zweiten und dritten Quartalsbericht bestätigt.

Die Studien fassen die komplexen Tourismusentwicklungen unter Einfluss der Corona-Pandemie zusammen und ermöglichen einen internationalen Vergleich zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten sowie zwischen Europa und anderen Kontinenten.

Mit der Entwicklung des Travel Resilience Indexes aus dem zweiten Quartalsbericht kann die Resilienz einzelner europäischer Destinationen auf Grundlage des Binnentourismus und der Hauptquellmärkte gemessen und verglichen werden.

Neben einer Beschreibung der Auswirkungen zeigt die ETC die Chancen für einen Neustart der Branche und die Neuorientierung einzelner Destinationen auf. Beide Berichte betonen die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Digitalisierung für die Zukunft der Tourismuswirtschaft.

Aufgrund des starken Einflusses des Pandemiegeschehens auf die Branche seien die Entwicklung eines Impfstoffes sowie das Vertrauen der Reisenden und die Akzeptanz bestehender Sicherheitsmaßnahmen entscheidend für die Erholung der Tourismuswirtschaft, betont der Bericht.

 

Die Studien wurden von der European Travel Commission (ETC) herausgegeben und stehen hier (Q2/2020, Q3/2020) zum Download bereit.

 

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