20.02.2020
Europäisches Parlament, TRAN Ausschuss für Verkehr und Tourismus

European Tourism: recent developments and future challenges

Internationalisierung | Nachhaltigkeit

Veröffentlichung: Oktober 2019
Seitenzahl: 105

Die Studie analysiert die aktuellen Trends und Herausforderungen des europäischen Tourismus in den Bereichen Nachfrage, Marketing, Leistungsanbieter, neue Technologien, und Nachhaltigkeit. Eine europaweite Befragung von touristischen Akteuren und fünf internationale Fallbeispiele dienen als Grundlage für Handlungsempfehlungen hinsichtlich der betrachteten Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung des europäischen Tourismus.

Ziel der Studie

Ziel der Studie ist es, insbesondere die Mitlieder des Ausschusses für Verkehr und Tourismus (TRAN) über die aktuelle Lage des europäischen Tourismus zu informieren. Basierend auf den Ergebnissen präsentiert die Studie Handlungsansätze, die zu einer nachhaltigen Entwicklung des Tourismussektors innerhalb der EU beitragen sollen.

Für wen ist es relevant?

Die Studie richtet sich primär an die Mitglieder des TRAN Ausschusses und damit insbesondere an politische Entscheidungsträger der EU-Mitgliedsstaaten. Gleichwohl sind die Ergebnisse relevant für alle touristischen Akteure in der EU.

Wie wurde vorgegangen?

Neben wissenschaftlicher Literatur wurden Initiativen und Programme der EU sowie globale Tourismustrends untersucht und analysiert. Zusätzlich wurden umfassende Interviews (semi-strukturiert) mit national und international relevanten Tourismusorganisationen geführt. Des Weiteren diente eine Internetumfrage touristischer Akteure aus allen 28 Mitgliedsstaaten der EU dazu, das Meinungsbild der Branche hinsichtlich der europäischen Tourismuspolitik miteinzubeziehen. Die Ergebnisse basieren auf einem Rücklauf von 51 Fragebögen. Abschließend wurden fünf Fallbeispiele vorgestellt, die die den Umgang mit zukünftigen Herausforderungen im europäischen Tourismus untermalen.

Was sind die zentralen Ergebnisse?

Trotz Abschwächung des Wachstums wird in den nächsten vier Jahren ein Anstieg touristischer Ankünfte in der EU erwartet.

Das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Touristen steigt. Aus diesem Grund wird die nachhaltige Mobilität innerhalb und zwischen verschiedenen Destinationen weiter an Bedeutung gewinnen. Auch der Overtourism ist nach wie vor eine reale Herausforderung für eine Vielzahl an europäischen Destinationen.

Die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien beeinflusst das Reiseverhalten. Plattformen werden, genau wie soziale Netzwerke, in der Planung und Durchführung der Reise immer relevanter. Für einzelne Destinationen und Europa als weltweit beliebtes Reiseziel bietet diese Entwicklung neue Möglichkeiten in den Bereichen Marketing und Branding.

Trotz seiner wirtschaftlichen Relevanz kommt dem Tourismus im Verhältnis zu anderen Politikbereichen ein geringer Stellenwert in der EU zu. Es gilt, die Präsenz und Zusammenarbeit der am Tourismus beteiligten Akteure in der EU zu stärken.

Neue Technologien können Nachfrageentwicklungen vorhersagen und steuern und so einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Zentrale Herausforderungen sind dabei die Datentransparenz großer Unternehmen und die Nutzung künstlicher Intelligenz unter Datenschutzaspekten.

Nachhaltigkeit ist bereits ein präsentes Thema im Tourismus, allerdings gibt es noch eine Lücke zwischen dem Bewusstsein und der tatsächlichen Umsetzung nachhaltiger Strategien. Aus Sicht der befragten Akteure ist die europäische Tourismuswirtschaft auf die Herausforderungen einer nachhaltigen Tourismusentwicklung noch nicht ausreichend vorbereitet.

Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?

Nachhaltigkeit ist eine der zentralen Herausforderungen in der europäischen Tourismusentwicklung. Die Bewältigung dieser Herausforderung erfordert nach Auffassung der Autoren eine integrierte Tourismuspolitik auf Ebene der EU, die Richtlinien und Standards schafft, um dem Klimawandel zu begegnen und sozialverträglichen Tourismus zu fördern. Die Förderung von Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Technologien kann gleichzeitig dazu beitragen, den europäischen Reiseverkehr umweltfreundlicher zu gestalten und einer ungleichen Verteilung von Besucherströmen vorzubeugen. Darüber hinaus ist es notwendig, effektive und klare Governance-Strukturen innerhalb der EU zu schaffen, um Teilhabe und Zusammenarbeit der verschiedenen Leistungsanbieter zu stärken. Die von den Autoren geforderte Entwicklung eines Messsystems zur Erfassung von Nachhaltigkeit und der Auswirkungen des Tourismus kann dabei als Instrument der politischen Entscheidungsfindung auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene dienen. Die Autoren verdeutlichen darüber hinaus, dass die Defizite hinsichtlich der zukünftig benötigten Fähigkeiten und Kompetenzen auf dem touristischen Arbeitsmarkt eine europaweit anerkannte Qualifikation der touristischen Ausbildung erforderlich machen. Zur Umsetzung der Forderungen empfiehlt die Studie die Organisations- und Finanzstruktur des Tourismus in der EU mit der Einführung eines spezifischen Tourismusbudgets zu stärken.

Kritische Würdigung

Die Studie fasst die globalen Trends und Entwicklungen des Tourismus zusammen und verdeutlich die Relevanz für den europäischen Markt. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Herausforderungen nicht regional differenziert betrachtet werden. Die Handlungsempfehlungen sind daher allgemeingültig formuliert und richten sich vordergründig an politische Entscheidungsträger. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die EU gem. Art. 195 AEUV im Tourismus eine beratende und unterstützende aber keine gestaltende Kompetenz besitzt. Die Forderung zu einer integrierten Tourismuspolitik auf europäischer Ebene ist unter dem Blickwinkel der Subsidiarität nicht unproblematisch. Kritisch zu sehen ist ferner die Empfehlung für ein spezifisches Tourismusbudget, u. a. wegen der Gefahr, dass dadurch für den Tourismus der Zugang zu horizontalen Projekten und Programmen der EU erschwert bzw. verschlossen werden könnte. Um die Handlungsempfehlungen umsetzen zu können, ist es vielmehr erforderlich, den jeweiligen Entwicklungsstand eines EU-Mitgliedsstaates auf nationaler Ebene zu betrachten und auf europäischer Ebene nationale Erfahrungen auszutauschen. Die deutsche Tourismusbranche hat den ersten Schritt bereits gemacht: Im Rahmen des Dialogprozesses zur nationalen Tourismusstrategie werden Handlungserfordernisse mit Experten aus der gesamten Branche diskutiert und priorisiert.

Die Studie des TRAN Committee kann kostenlos heruntergeladen werden (externer Download, pdf 2,1 MB).

 

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